6 Erste Hilfe-Maßnahmen, wenn dein Mann auf Männer steht: 1. Informiere dich!

von | Allgemein

Dies ist der erste Teil meiner brandneuen ☺︎ Video-Reihe “6 Erste Hilfe-Maßnahmen, wenn dein Mann auf Männer steht”.

Information ist (fast) alles! Deshalb: Informiere dich!

In diesem Video erfährst du, weshalb es so wichtig ist, dass du dich frühzeitig über einige wichtige Punkte informierst und natürlich auch, welche das sind. Darüber hinaus habe ich Buchempfehlungen für dich und noch den einen und anderen zusätzlichen Tipp. Schau einfach mal rein!

  • Hier der Link, den ich im Video angesprochen habe: https://www.straightspouse.org/ (Englischsprachiges Netzwerk für heterosexuelle Frauen und Männer, die eine/n homosexuelle/n Partner/in haben.)
  • Im Blogartikel unten findest du im mit (*) gekennzeichneten Abschnitt “Informiere dich über die Situation des schwulen Partners” noch eine Ergänzung zum Buchtipp “Es fühlt sich endlich richtig an!”, Autorin: Helga Boschitz

Du liest lieber als Video zu schauen?

Voilà, hier ist der dazugehörige Blogartikel:

Wenn dein Mann auf Männer steht…

 Wenn Frauen diese Erkenntnis trifft, beschreiben es die meisten als ein Gefühl, als würde ihnen der Boden unter den Füße weggezogen oder als würden sie ins Bodenlose fallen. Und das ist auch überhaupt kein Wunder, denn die Erschütterung erfasst ja nicht nur die gemeinsame Beziehungsbasis, sondern die eigene Persönlichkeit, das eigene soziale Umfeld, die eigene Sexualität. Und es erfasst auch die eigenen Wünsche, Hoffnungen und Lebensträume. Das gesamte Lebenskonzept kommt von einem auf den anderen Moment völlig durcheinander, oder wird komplett zerstört. Und auch die eigene bisherige Geschichte wird plötzlich in Frage gestellt und bedarf oftmals einer völlig neuen Interpretation.

Um Frauen wie dir und mir diese Situation zu erleichtern oder zumindest eine gewisse Unterstützung zu bieten, gibt es diese Reihe zum Thema “Sechs Erste Hilfe-Maßnahmen, wenn dein Mann auf Männer steht.”.

Informiere dich!

 “Information ist (fast) alles.” – was meine ich jetzt damit? Ich meine, es ist wichtig dass du dich informierst. Denn sich zu informieren über wichtige Bereiche deines Lebens, das lässt dich ins Tun kommen. Das ist das, was du jetzt tun kannst. Auch in der akuten Phase. Auch wenn du gerade nicht weißt, wo oben und unten ist und auch dann, wenn du gerade noch mitten im Schock bist. Dich zu informieren, das geht. Glaub mir, das geht.

Warum ist informiert zu sein so wichtig?

Informiert zu sein, zeigt dir deine Handlungsmöglichkeiten auf. Es erweitert deinen Handlungsspielraum, und… es bringt dich ins Tun. Wenn du  glaubst, dass du absolut nichts tun kannst, was deiner Situation verändert –  dich zu informieren hilft: “Okay, DAS zumindest kann ich tun.” Es kann dir helfen, dich nicht gänzlich ausgeliefert zu fühlen.

Worüber sollst und kannst du dich informieren?

Informiere dich über Frauen in deiner Situation.

Das ist es, was ganz viel Frauen sagen und was ich auch von mir kenne: Am Anfang hat man wirklich geglaubt, die einzige zu sein, der das widerfährt. Zu merken, dass das überhaupt nicht der Fall ist, im Gegenteil,  dass es sogar sehr viele Frauen gibt, die eine ganz ähnliche Geschichte mit erstaunlichen Parallelen zur eigenen haben, das lässt einen selbst oft das erste Mal ein wenig aufatmen.

Wenn man dann noch mitbekommt, dass es sehr wohl Frauen gibt, die diese ganze Situation bewältigen konnten und dass diese wieder ein Leben leben, das lebenswert und erfüllend ist, das gibt Hoffnung und hilft, nicht zu verzweifeln und nicht aufzugeben – sich selbst nicht aufzugeben.

 Wo informieren?

Wo kriegen wir jetzt unsere Informationen her? In Zeiten von Internet  – oh Wunder! – bei Google und Konsorten. Allerdings wirst du da wahrscheinlich feststellen, wenn du es nicht eh schon bemerkt hast, viel gibt es zu unserer speziellen Situation nicht. Es finden sich ein paar Artikel unterschiedlicher Qualität und auf You Tube, ein, zwei Filme, in denen gemischt-orientierte Paare über einen gewissen Zeitraum von einem Filmteam begleitet worden sind. Das ist ganz spannend, aber das war´s dann fast schon wieder

Und auch im literarischen Bereich schaut es im Deutschsprachigen kaum besser aus. Ein Buch kann ich dir allerdings sehr ans Herz legen. (Falls du nicht selbst schon drüber gestolpert bist.) Nicht nur, weil es eins der wenigen – vielleicht das einzige überhaupt – ist, sondern weil es wirklich gut ist.☺︎ Das Buch von Bettina von Kleist hat den Titel “Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen.”

Basierend auf den real erlebten Erfahrungen einzelner Frauen (darüberhinaus kommen auch drei Partner zu Wort), beleuchtet die Autorin z.B., wie es überhaupt zur Wahl eines schwulen Partners kommt, und sie stellt auch die Frage, ob es sich bei Bisexualität um einen Tarnbegriff oder eine sexuelle Orientierung handelt.

Ob es darum geht “Wenn der Verdacht zur Gewissheit wird”, um Trennung, oder wie Männer ihr Coming-out schildern, die Autorin widmet sich den einzelnen Themen durchgehend in einer sehr beschreibenden Art und Weise. Obwohl es kein Selbsthilfe-Buch für Frauen in unserer Situation im eigentlichen Sinne ist, unterstützt es. Man fühlt sich als betroffene Leserin nicht nur gesehen, sondern verstanden und auf einer tieferen Ebene “erkannt”. Deshalb vermute ich mal, dass es kaum eine Seite geben wird, in der du dich nicht mehr oder weniger wiederfinden wirst.

Im englischsprachigen Bereich… 

…schaut es zu unserem Thema um einiges vielfältiger aus. Es lohnt sich nach folgenden Begriffen zu recherchieren: Straight Spouses und Mixed-Orientation Marriage.  Es gibt u.a. ein recht großes Netzwerk von heterosexuellen Frauen und Männern, die einen schwulen Partner oder eine lesbische Partnerin haben oder hatten. Den Link hab ich dir oben direkt unters Video gestellt.

Auch im Literatur-Bereich findet sich um einiges mehr als bei uns. Ich möchte da besonders ein Buch empfehlen: The Other Seide of The Closet. The Comining-Out Crisis for Straight Spouses and Families. Ich würde sagen, das ist wahrscheinlich der englischsprachige Klassiker.

Dieses Buch geht in meinen Augen schon mehr in Richtung Selbsthilfe-Buch, weil es einen wirklich vom ersten Schock bis ins neue Leben hinein begleitet und die ganzen Phasen, durch die sich betroffene Frauen hindurch bewegen, aufzeigt. Das Ganze ist ebenfalls begleitet von “Personal Stories”, und auch in diesen Geschichten wird man sich sehr oft wiederfinden können. Ich empfinde das Buch als sehr ermutigend. Ich würde sagen, es ist fast so etwas wie ein Grundlagenwerk. (Bedauerlich, dass es dieses Buch nicht auf deutsch gibt.)

Informiere dich über die Situation des schwulen/bisexuellen Partners 

Neben dem, dass du dich über Frauen in deiner Situation informierst und dadurch schon mal ganz schön viel Unterstützung rausziehen kannst, scheint es mir auch wirklich wichtig, die Situation des Mannes zu betrachten. Und da möchte ich dir dieses Buch empfehlen: Bastian Brisch ” Seitenwechsel. Die Geschichte eines schwulen Familienvaters.” 

Dieses Buch lässt sich auch sehr gut den eigenen Eltern in die Hand geben, um einer Haltung des Unverständnisses positiv zu begegnen: “Da ist der Schwieger-/Sohn jahrelang verheiratet, ist Vater von Kindern – wie kann denn der auf einmal glauben, dass er schwul ist? Wie gibt’s denn so was?” Das Buch zeigt auf sehr berührende, authentische Art und Weise, wie es so etwas eben doch geben kann.

(*) Ein weiteres Buch ist von Helga Boschitz: “Es fühlt sich endlich richtig an! Erfahrungen mit dem späten Coming-out.” Dieses Buch fokussiert auf die Unterstützung von Männern und Frauen, die oft nach langjährigen heterosexuellen Beziehungen ihr Coming-out haben. Die persönlichen Geschichten in diesem Buch sind daher überwiegend aus der Sicht der homosexuellen Partner. Allerdings findet sich doch ein Kapitel zu “unserem” Thema mit der Überschrift: “Eigentlich hab ich es schon immer geahnt. Oder: Wie die bisherigen Partner mit dem Coming-out umgehen.” Aus meiner Sicht hilft auch dieses Buch. Es hilft den eigenen Horizont zu erweitern und im besten Fall etwas an Verständnis hinzu zu gewinnen.

Und im Grunde geht es ja nicht zuletzt genau darum: Dass wir durch ein ehrliches Bemühen um Verständnis, das für uns aus der Auseinandersetzung mit der Situation des schwulen Partners erwachsen kann, zu einer tieferen und offeneren Gesprächsbasis miteinander finden. Denn das wird die Dinge, die man in der Beziehung wahrscheinlich noch vor sich hat, letztendlich doch an der einen oder anderen Stelle einfacher machen.

Informiere dich über deine finanzielle Situation.

Ein weiterer Bereich, über den du dich informieren solltest, um einen Überblick zu bekommen, sind die Finanzen. Deine Finanzen, seine Finanzen, eure gemeinsamen Finanzen. Warum ist das so wichtig? Weil du damit den Rahmen klar siehst, innerhalb dessen du und ihr euch bewegen könnt.

Gerade jetzt ist das Thema Unterstützung extrem wichtig, und es ist wichtig, dass du klar weißt, was ist finanziell möglich und was muss ich mir irgendwie anders organisieren. Sei´s jetzt ein Babysitter, damit du beispielsweise einmal in der Woche wirklich Zeit für dich selber hast, oder sei es, dass du das Bedürfnis hast mal für ein paar Tage einfach abzutauchen. Es ist ein Unterschied, ob du das in einem Wellness-Hotel tun kannst, oder ob du dir was Günstigeres organisieren musst, z.B. bei deiner besten Freundin.

Wer gibt wofür Geld aus? Das ist auch eine wichtige Frage, die angeschaut werden muss. Je besser du da Bescheid weißt, desto klarer ist dir, welche Möglichkeiten du hast und wie du damit umgehen kannst. Auch das Thema professionelle Unterstützung in Form von Coaching und psychologischer Begleitung kostet Geld. Klar. Ist aber wichtig. Also auch da gut überlegen, was geht wie. Und was muss wie geregelt werden, damit  ihr gut durch diese Zeit kommt und damit vor allem du (!) gut durch diese Zeit kommst.

Informiere dich über die verschiedenen Möglichkeiten von Trennung, Unterhalt etc.

Ein letzter Bereich, den ich noch erwähnen möchte, der dich vielleicht direkt ein bisschen irritiert, vielleicht sogar erschreckt, weil er zum jetzigen Zeitpunkt für dich kommt, aber ich erwähne ihn trotzdem, weil ich ihn für wichtig halte: Informiere dich frühzeitig über die verschiedenen Möglichkeiten von Trennung, Unterhalt, Scheidung. Damit meine ich nicht, dass jetzt schon klar sein muss wie es mit euch weitergeht. Damit meine ich nicht, dass du jetzt schon weitreichende Entscheidungen treffen sollst. Überhaupt nicht. Aber noch einmal: Information ist fast alles. Wenn du jetzt schon weißt, welche Möglichkeiten es geben kann,… und es gibt immer mehr als eine Option, übrigens auch mehr als zwei…, dann wird dir das wahrscheinlich einige zusätzliche schlaflose Nächte ersparen.

Und noch ein Tipp.

Informier dich nicht(!) bei deinen geschiedenen Freundinnen. Nicht wenn es um diese Themen geht. Kümmere dich stattdessen um eine professionelle Beratung bei einer Frauenberatungsstelle. Die bieten ihre Unterstützung übrigens häufig kostenlos an. Und da kriegst du kompetent und sachlich die korrekten Informationen, die du brauchst. Da wird einfach mal ganz nüchtern deine momentane Situation beleuchtet, die verschiedenen Möglichkeiten, die du hast UND die verschiedenen Möglichkeiten, die du haben wirst, je nachdem in welche Richtung das Ganze weiter verläuft.

So! Das war jetzt die erste der sechs Erste Hilfe-Maßnahmen: Informiere dich, denn Information ist (fast) alles. Warum ist Information fast alles? Weil es deine Handlungsmöglichkeiten erweitert. Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass man sich gut informiert, der ganzen Situation gegenüber nicht so hilflos fühlt – sich nicht so ausgeliefert fühlt.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Und wenn du neugierig bist welche die anderen fünf Maßnahmen sind, dann schau einfach wieder hier vorbei, oder abonniere meinen YouTube Kanal.

Und… Du bist die Gestalterin deines Lebens. Immer! Und unter allen Umständen!
Alles Liebe, Dagmar

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Ich bin Dagmar Karolina Raimund.

Als Dipl. Lebens- u. Sexualberaterin unterstütze ich dich, dein Leben (und deine Sexualität) erfüllend und selbstbestimmt zu gestalten.

Mit mir als Mentorin an deiner Seite musst du die Herausforderungen, die das Thema “Homosexualität” für dich und deine Partnerschaft mit sich bringt, nicht länger alleine bewältigen.

Ich bin für dich da.